Balfanz aus Hinterpommern
200 Jahre Bildungsbürger im Staatsdienst
 
 
Die Nachfahren von Johann Balfanz (1808-1880), Lehrer in Storkow, Kreis Neustettin

Besitzerfolge des Gutes Balfanz im 19. und 20. Jahrhundert

 

Letzter Besitzer von Balfanz aus der Familie von Glasenapp war Georg Wedig (*28.04.1769 zu Balfanz † 18.12.1810 zu Balfanz). In einer Erbteilung mit seinem Bruder Heinrich Friedrich (*20.08.1770 zu Balfanz † 11.08.1810 zu Gramenz) im Jahr 1794 hatte er Balfanz erhalten, während Heinrich Gramenz bekam. Als Georg 1810 ohne Leibeserben stirbt, ist sein Bruder schon verstorben (auch im Jahr 1810). So erben die minderjährigen Kinder von Heinrich von Glasenapp den verschuldeten, gewaltigen Güterkomplex:
•  Balfanz mit Kasimirshof, Grünwald mit Altmühl, Alt- und Neuhütten, Steinburg, Zechendorf und Zülkenhagen.
•  Gramenz mit a, b, c, Schofhütten, Bernsdorf, Flackenheide und Zuch.
Der Vormund der Kinder soll das alles retten, was ihm nicht gelingt. So eröffnet schließlich das Landgericht Köslin Anfang 1813 den Konkurs über beide Rittergüter mit allen zugehörigen Gütern.

E. von Glasenapp: Genealogie des … Geschlechts von Glasenapp, S. 353, 359-360.

Der Justiziar der Herrschaft Balfanz schreibt das Gut zur Verpachtung auf drei Jahre (Marien 1814 – 1817) aus. Balfanz hat zu der Zeit eine Größe von „849 Morgen Acker, 120 Morgen meistens zweischnittige Wiesen, 11 Morgen Gärten, 20 Morgen Leinstellen und 2579 Morgen Hütung nebst einem bedeutenden Hengstlauf“. Das Konkursverfahren wird über zwei Jahrzehnte dauern.

Amtsblatt der königlichen Regierung von Pommern, 1813: Nr.19 (S. 1-2), Nr. 21 (S. 1), Nr. 22 (S. 2).

1822 legt der königliche Ökonomie Kommissarius Bruns einen Auseinandersetzungsplan (Rezeß) zur Regulierung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse im Dorf Balfanz vor. Balfanz ist zu dem Zeitpunkt von der Familie von Versen bewohnt, die in einer Anzeige „eine stille Familie“ als Mieter für die „Oberetage des großen herrschaftlichen Wohnhauses nebst mehreren Gärten wie auch Pferde-, Kühe- und Federviehställe“ sucht. Wahrscheinlich hatte die Familie von Versen nur das Herrenhaus und einige Gärten und Koppeln gepachtet.

Amts-Blatt der preußischen Regierung zu Köslin, 1822: S. 423, S. 431, S. 436.
Leopold von Ledebur, Adelslexikon der preussischen Monarchie, Band 3: T-Z. Berlin 1854. S. 354.
Akte im Staatsarchiv Stettin: Die Kinder des von Versen zu Balfanz 1838-1844

1826 werden die ausgelaufenen Pachtverträge von Balfanz öffentlich meistbietend versteigert.

Amtsblatt der preußischen Regierung zu Köslin 1826, Nr. 41, S. 3-4.

1827 dauert der Konkurs noch immer an, denn die Lehnskammer fordert die „Agnaten von Balfanz bei Gelegenheit des Konkurses“ auf sich zu melden. Im selben Jahr wird das „herrschaftliche Wohnhaus nebst Gärten und mehreren Koppeln in Balfanz“ öffentlich meistbietend verpachtet.

E. von Glasenapp: Genealogie des … Geschlechts von Glasenapp, S. 384.
Amts-Blatt der preußischen Regierung zu Köslin, 1827: Nr. 35, S. 3-4.

1829 werden die in den Gramenz- und Balfanzschen Gütern zu Marien 1830 auslaufenden Pachtverträge auf weitere 3 Jahre meistbietend neu verpachtet und zwar durch den Landschafts-Deputierten v. Dorpowski auf Gut Dolgen. Er war von 1819 bis 1836 der bestallte landschaftliche Sequester der Güter Balfanz und Gramenz.

Amts-Blatt der preußischen Regierung zu Köslin 1829, Nr. 33, S2.
E. von Glasenapp: Genealogie des … Geschlechts von Glasenapp, S. 360.

1834 sitzt die Familie von Diringshofen auf Balfanz. 1836 ist nach Kneschke und Zedlitz-Neukirch der Landschaftsdirektor der Uckermark v. Diringshofen Eigentümer von Balfanz, so dass die rund 23-jährige Konkursverwaltung des Gutes endet.

Amts-Blatt der preußischen Regierung zu Köslin, 1834: Nr. 39, S. 8.
Leopold v. Zedlitz-Neukirch, Neues Preussisches Adels-Lexikon … Erster Band A-D. Leipzig 1836, S. 448.
Leopold von Ledebur, Adelslexikon der preussischen Monarchie, Band 1: A-K. Berlin 1854. S. 186.
Ernst Heinrich Kneschke, Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexikon. Leipzig 1860. S. 598.
Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser Teil B – 1920: S. 181 (Stammreihe von Diringshofen); 1925: S. 174; 1930: S. 167.

ps. Von den minderjährigen Kinder Heinrich von Glasenapps gelang es nur Hermann (* 7.1.1802 zu Gramenz, + 19.3.1869 zu Grünwald) einige Güter aus der Balfanzschen Konkursmasse zu retten, nämlich Steinburg, Grünwald mit Altmühl und Neu- und Althütten. „Auf die Gramenzer Güter konnte er nicht vorgehen, da der Sohn nicht reluiren konnte, was der Vater conkursirt hatte.“

E. von Glasenapp: Genealogie des … Geschlechts von Glasenapp, S. 392-393.

1845 ist Balfanz im Besitz von Wilhelm Steffenhagen (1815–1865) verheiratet mit Auguste v. Zitzewitz.

     Amts-Blatt der preußischen Regierung zu  Köslin, 1845: Nr. 25 (18. Juni), S. 134.
     Deutsches Geschlechterbuch Band 145 (7. Pommersches Geschlechterbuch), S. 415.

1850 ist Louis von Lüttwitz, Kaiserlich-Österreichischer Unterleutnant Besitzer von Balfanz. Er kauft im Februar 1858 das Gut Skludzewo im Kreis Thorn für 135.000 Reichstaler, wahrscheinlich wird er zu dem Zeitpunkt Balfanz verkauft haben.

Louis von Lüttwitz war ein Lebemann, Spieler und Abenteurer. Während seiner Zeit in Balfanz ist er Mitglied im Verein für Pferdezucht und Pferdedressur in Berlin. Als 1864 ein Wechsel von ihm platzt, sucht das Kreisgericht Bromberg nach ihm – vergeblich, denn Louis befand sich schon seit über einem Jahr in den Vereinigten Staaten. Dort schließt er sich 1867 einer Expedition von Antonio López de Santa Anna, ehemaliger, mehrfacher Präsident von Mexiko an, als dieser zum wiederholten Mal vergeblich versucht, die Macht zurückzuerobern. Obwohl nur Unterleutnant ist er Mitglied im sog. Generalstab des Expeditionschors.

Leopold von Ledebur, Adelslexikon der preussischen Monarchie, Band 3: T-Z. Berlin 1855. S. 305 (Nachträge). 
Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preußischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels. Berlin 1857. S. 137.
Hans Maerker: Geschichte der ländlichen Ortschaften und der drei kleinen Städte des Kreises Thorn. Danzig 1899-1900. S. 300.

1858 kauft der Stettiner Kaufmann Albert Haase das Gut. Die Familie Haase war die vermutlich reichste Stettiner Familie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Haasesches Haus, Lindenstr 11 war das erste Haus, was in der Neustadt errichtet wurde. E. Haase trägt zwischen 1830 und 1846 mindestens 7 Schiffe in Lloyd's Shipping Register in London ein. Die Schiffe verkehren zwischen Stettin und London einerseits und Stettin und dem Baltikum andererseits. Albert Haase kaufte das Gut vermutlich für seinen Sohn, denn er besaß schon ein Rittergut.

Karl Robert Klempin, Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 616.
Sammlung der deutschen Handels-Register: Hrsg. mit dem Central-Organ für den deutschen Handelsstand, Band 1 (1862), S.75.

Anfang der 1870er Jahre ist sein Sohn Richard Waldemar Haase (* 27.06.1836 in Stettin † 27.06.1884 in Balfanz) Eigentümer von Balfanz. 1874 wird er als Stellvertreter des Amtsvorstehers in Zülkenhagen genannt. Er erbaut das Herrenhaus im neugotischen Stil, welches heute noch steht.

Amts-Blatt der preußischen Regierung zu Köslin, 1874: S. 6.
Hanna Faryna-Paszkiewicz, u.a.: Atlas zabytków architektury w Polsce. Wydawn. Nauk. PWN, 2001. S. 14.

Generaladressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. I. Das Königreich Preußen. II. Lieferung: Die Provinz Pommern. Berlin 1879, S. 136-137.

Nach seinem Tod erwirbt Oswald von Rittberg (*26.10.1832 in Stangenberg, † 28.02.1908 in Balfanz), Erbherr auf Stangenberg, Kreis Stuhm, Landrat von Ueckermünde und Reichstagsabgeordnete das Gut. Ihm folgt sein Sohn Friedrich Wilhelm (1875-1944), verheiratet mit Monika von Moltke (1886-1975).