Balfanz aus Hinterpommern
200 Jahre Bildungsbürger im Staatsdienst
 
 
Die Nachfahren von Johann Balfanz (1808-1880), Lehrer in Storkow, Kreis Neustettin

Der Dorfschullehrer Johann Balfanz als Gründer eine Familie von Staatsdienern

Ausgangslage

Vor 200 Jahre, Anfang des 19. Jahrhundert lebten geschätzt 80 Prozent aller Namensträger Balfanz im Kreis Neustettin in Hinterpommern, und dort war das Kirchspiel Gramenz dasjenige mit den meisten Balfanzern. Sie waren Kleinbauern (große Bauern gab es in der Region nicht) und Kossäten und wenn sie keinen Land besaßen, waren sie Handwerker oder Tagelöhner. Fast alle von ihnen waren noch Leibeigene der zahlreichen Rittergüter. 1808 wird Johann Martin Balfanz geboren auf einem Halbbauerhof in Flackenheide im Kirchspiel Gramenz.

Die Entscheidung

Er entscheidet sich Lehrer zu werden − nicht aus Zufall und auch nicht aus wirtschaftlichen Gründen. Denn ein Dorfschullehrer in Preußen lebte damals hauptsächlich von dem Schulgeld, was die Eltern der Kinder bezahlen mussten, 1 Taler von jedem Schüler pro Jahr. Außerdem wurden ihm die Wohnung und manchmal auch etwas Land zur Bewirtschaftung und ein Holzdeputat von der Gemeinde bzw. den Patronatsherren der örtlichen Kirche zur Verfügung gestellt. Davon konnte man kaum leben. Sein Vorgänger als Dorfschullehrer von Storkow, Christian Kleist arbeitete nebenbei noch als Tischler.

Nein, Johann wurde Lehrer aus voller Überzeugung, aus Leidenschaft für den Beruf − oder genauer gesagt, aus Leidenschaft für Bildung. Diese Leidenschaft gab er seinen Kindern weiter. Zählt man die beiden Töchter hinzu, die zu der Zeit noch nicht selbst Lehrerin werden konnten, dafür aber Lehrer heirateten, so wurden fünf der sieben Kinder von Johann Balfanz Lehrer, ein Sohn wurde Pastor und einer Eisenbahnsekretär.

Die Folgen

Da er und seine Kinder und Enkelkinder sich eifrig fortpflanzten, was längst nicht bei jeder Familie der Fall ist, wurde er zum Gründer einer "Dynastie" von "Bildungsbürgern". Das unterschied diese Familie von den anderen Balfanz-Familien der Zeit, die weiter Teil der ländlichen Bevölkerung waren, zum großen Teil in der Region blieben − wenn sie nicht auswanderten, was viele taten.

Bis zum Endes Kaiserreichs 1918 war bisher noch jeder Gymnasiast, den ich bei meinen Recherchen gefunden habe, ein Mitglied dieser Familie.

Und noch etwas zeichnet diese Familie aus. Die Nachkommen gehen fast alle in den Staatsdienst. Schon in der Generation von Johanns Kindern übernimmt und regelt der Staat die Lehrerausbildung bis ins Detail. Es entstehen Präparandenanstalten, Lehrerseminare, genaue Laufbahnen mit festen Eingangsvoraussetzungen. Der Staat übernimmt die Bezahlung der Lehrer inklusive einer Pension. Dasselbe geschieht auch in allen anderen Bereichen der staatlichen Verwaltung und so entsteht in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Beamtentum, so wie wir es heute noch kennen.

Seine Enkelkinder lebten nicht mehr auf dem Lande und waren mit wenigen Ausnahmen Beamte bei der Reichsbahn, der Reichspost, als Lehrer, in der Bauerverwaltung, dem Zoll, als hauptamtlicher Bürgermeister geworden.

Epilog

Johann konnte es sich nur leisten, seinen ältesten Sohn aufs Gymnasium zu schicken − und das war schon schwer genug. Dafür musste er neben seiner Dorfschullehrertätigkeit in Storkow noch als Küster in Gramenz arbeiten. Als Theodor Balfanz alle in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt hat und 1865 als Pfarrer ordiniert wird, war das sicher für Johann eine große Freude und Genugtuung für ein arbeitsreiches Leben. Nach seiner Pensionierung zieht er in die Kleinstadt Bublitz, wird Küster an der Bublitzer Kirche und stirbt dort 1880.

 

 

 
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