Balfanz aus Hinterpommern
200 Jahre Bildungsbürger im Staatsdienst
 
 
Die Nachfahren von Johann Balfanz (1808-1880), Lehrer in Storkow, Kreis Neustettin

Etymologie

 

Balfanz (264-mal: HH, MV, NI, NRW, ST, vor allem im Landkreis Stendal), wohl als aplb. *bol(Ï)wÀs (vgl. poln.bia³owÀs, s. o.) "Weißbart" aus plb. bolÏ 'weiß' und wÀs 'Bart' zu deuten.

Die hier ermittelten Familiennamen stammen zumeist aus Rufnamen, weniger aus Übernamen (z. B. Balfanz) sowie Berufsbezeichnungen (vielleicht Palisch), einer vielleicht aus einem Wohnstättennamen (Schoreitz). Herkunftsnamen sind nicht erfaßt.

Legende: aplb. = altpolabisch, plb. = polabisch, polb. = polnisch

Müller, Klaus (2011): Familiennamen aus dem Polabischen im Deutschen. In: Hengst, Karlheinz/Krüger, Dietlind (Hrsg.): Familiennamen im Deutschen. Erforschung und Nachschlagewerke. Familiennamen aus fremden Sprachen im deutschen Sprachraum. Leipzig, S. 161-169.

 

Damit liefert Müller eine fundierte Etymologie des Namen Balfanz, allerdings klammert er in seiner Betrachtung der pommerschen Familiennamen die Herkunftsnamen aus, aber gerade das ist bei Balfanz zu diskutieren. Denn zwei Gründe sprechen gegen die These von Balfanz als Übernamen.

 

Erstens, Voraussetzung für einen Übernamen ist, dass zu der Zeit, in der sich Familiennamen bilden, die Bevölkerung die Bedeutung des Namen Balfanz (noch) kennt. Beim Ortsnamen Balfanz ist das sicher der Fall, bei den Familiennamen, die viel später entstanden sind, kann man das bezweifeln.
 

Zweitens, gegen Balfanz als Übernamen spricht die Vorkommensdichte des Namen in der Nähe des Ortes Balfanz. Vor 200 Jahren gab es allein in den Kirchenbüchern von Gramenz rund 50 Familien Balfanz, weitere 50-100 Familien gab es im übrigen Kreis Neustettin. Alle anderen Namensträger lebten in den Randgebieten der benachbarten Kreise. Weiter weg kam der Name nur sporadisch vor. Diese starke Häufung passt nicht zu einem Übernamen und lässt sich nur erklären mit Balfanz als Herkunftsnamen.
 

Wie kam es nun zu Balfanz als Herkunftsnamen? Familiennamen gab man sich nicht selbst, sie wurden einem gegeben. Bei der ländlichen Bevölkerung waren es die Grundherrn, die die Familiennamen schufen. Im 13. Jahrhundert, als die ersten Familiennamen entstanden, gab es kaum noch freie Bauernhöfe. Das heißt die Bauern waren nicht Eigentümer der Höfe, die sie bewirtschaften, sondern die Höfe gehörten Grundherrn. Das waren vor allem der Landesherr, der Landadel und Stifte und Klöster. Schauen wir als erstes nach Westfalen. Dort war die Grundherrschaft zu der Zeit schon sehr zersplittert war, und es bestand für die Grundherren die Notwendigkeit ihre Höfe eindeutig zu identifizieren. Das machten sie, indem sie Hofnamen bildeten. Diese Hofnamen wurden dann zu Familiennamen der Bauern. Wer einen Hof bewirtschaftete erhielt den Hofnamen als Familiennamen. Das machte für die Grundherren Sinn, denn ihnen gehörten nicht nur die Bauernhöfe, sondern auch die einzelnen Personen, die auf dem Bauernhof lebten. Grund- und Leibherrschaft gingen immer zusammen. In Westfalen nannte man die Leibherrschaft Eigenbehörigkeit, das war eine stark gemilderter Form der in den Gebieten östlich der Elbe, also auch in den Pommern vorhandenen Leibeigenschaft.
 

Wie sah es nun in Pommern aus? Die Grundherrschaft dort war weit weniger zersplittert als in Westfalen. Anfang des 18. Jahrhunderts gehörte der Familie von Glasenapp fast der ganze Kreis Neustettin, ebenso gehörten der Familie von Kleist die meisten Höfe im Kreis Belgard. Es bestand also für die Grundherrn weit weniger als in Westfalen die Notwendigkeit ihre Bauernhöfe zu identifizieren. Jedenfalls bildeten sich in Pommern keine Hofnamen. Weshalb auch die Bauern dort keine Hofnamen als Familiennamen trugen. Wie kam nun die ländliche Bevölkerung in Pommern an ihre Familiennamen? Genau wie in Westfalen über die Grundherrn. Es scheint so gewesen zu sein, dass ein Grundherrn seine Leibeigenen einfach nach dem Rittergut benannt hat zu dem sie gehörten.  Damit ließe sich erklären, warum es in Pommern sehr viel mehr Ortsnamen (bzw. genauer gesagt Namen von Rittergütern) als Familiename gab als beispielsweise in Westfalen. Von fast jedem Rittergut im Kreis Neustettin gibt es die entsprechenden Familiennamen.